Zeichen-Codes

Michael Oberlik und Wolfgang Quast nehmen jeweils ihren 60. Geburtstag zum Anlass, sich aus all ihrer Lebenserfahrung heraus Erinnerungen und Veränderungen aufzuarbeiten. In der  Ausstellung mit dem Titel „+43-6060/24021504“, zusammengesetzt aus ihren jeweiligen Geburtsdaten, präsentiert Michael Oberlik seine „Erinnerungen“ in Form von malerisch/grafischen Zeichen. Wolfgang Quasts Lebenserfahrung beruht auf der Veränderung der kleinen Schritte, die er in Strich-Codes auf Keramik verarbeitet.

Michael Oberlik arbeitet in Serien, die sich zu Zyklen formieren. In der Serie „Geschichten“ mit dem Untertitel „Erinnerungen“ hat er alte Skizzen, Zeichnungen und Fotografien bearbeitet, Erinnerungen, die hier wieder zu neuer Bedeutung kommen. Er collagiert sie, übermalt sie teilweise mit selbst gemischten Pigmenten. Nicht alles muss dabei sichtbar bleiben. Bei genauer Betrachtung kann man die Konturen der eingearbeiteten Papiere allerdings noch erkennen. Ausgangspunkt ist eine Grundidee, die das Formengefüge betrifft. Nach dem zuerst bewusst gesetzten Zeichen lässt er sich vom  Bild weiterleiten, eher aus dem Unterbewussten heraus. Der Aufbauprozess ist ein langsamer, Farbschicht um Farbschicht wird aufgetragen, muss trocknen, wird liegen gelassen. Gegen Ende des Arbeitsprozesses werden die grafischen Elemente gesetzt. Kräftige schwarze Linien brechen die Farben und steuern den Bildeindruck, oft ergänzt durch zarte farbige Striche. Zeichen sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Welt: es sind abstrakte Gebilde, die mit Bedeutung belegt werden. Zeichen sind ein wesentliches Element in den Arbeiten von Michael Oberlik und er überlässt es dem Betrachter, sie mit Bedeutung aufzuladen.

Wolfgang Quast hat seine ausgestellten Keramikarbeiten unter den Titel „Veränderung“ gestellt. Sie erinnern an die allgegenwärtigen Strichcodes. Er benutzt sie auf subtile Weise. Die immer gleichen Strichfolgen und farbigen Quadrate verändern sich zwar nur leicht, in der seriellen Aufeinanderfolge zeigen sich dann doch markante Veränderungen. So sieht er auch die Veränderungen im Leben. Ins Auge springen sofort die 60 Stelen, für jedes Lebensjahr eine. Sie sind hell / dunkel, glatt / rau, haben Sprünge und Spalten, runde oder eckige – wie das Leben eben. Die beiden Scheiben „Wie ein Universum“ bringen Zeit und Veränderung auf eine andere Dimension. Unter einem Zensurbalken erscheint eine Zahl  810, ein Hinweis, dass wir oft auf eine anonyme Nummer reduziert werden  – erschreckend aktuell. Trägermaterial ist gebrannter Ton, auf dem die Linien und  bunten oder schwarz/weißen Glasuren ihre Botschaft entfalten. Auch die Formen der Arbeiten orientieren sich am Leben, mal ist es rund wie eine Scheibe, mal gerade wie eine Stele. Wolfgang Quasts Arbeiten sind akribisch geplant und in einem konzentrierten Arbeitsprozess umgesetzt. So klein die Veränderung oft ist, so präzise und exakt muss sie ausgeführt sein. Das erfordert viel Konzentration. Zum Ausgleich gibt es spontane Arbeiten, wie die 60 Stelen. Die Gesamtheit der Arbeiten laden zur Reflektion auf das Leben mit seinen zeitlichen Abläufen und Veränderungen ein.

Text und Fotos: Antonia Zimmermann

2016_03_CART_Oberlik_Quast_web„+43-6060/24021504“
Michael Oberlik & Wolfgang Quast
Malerei & Keramik-Objekt
CART-Galerie (Heimathaus) Pregarten
bis 3. April 2016
So 14-18 Uhr od. Tel: 07236/2743
www.cart-pregarten.com

 

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