WERK – KRAFT

Werkkraft_Hipphalle_GmundenWERKKRAFT ist ein passender und aussagekräftiger Titel für die derzeit laufende Ausstellung in der Hipphalle in Gmunden. Im eindrucksvollen Ambiente der Industriehalle mit ihren säulengetragenen Gewölben aus der Mitte des 19. Jahrhunderts präsentieren 10 Künstler ihre kraftvollen, teils großformatigen Skulpturen und Installationen. Es ist ein eindrucksvoller Überblick über das künstlerische Medium der Bildhauerei, mit sehr unterschiedlichen Positionen und Materialien. Thematisch nehmen sie Bezug auf die Tradition dieser Halle als Kammgarnspinnerei und auch auf ihre Lage an der Traun neben einem Kraft | Werk.

Alois_Bauer_Sitzskulptuten_webBereits vor dem Gebäude, im zugehörigen Park, faszinieren die kissenartigen Sitzskulpturen von Alois Bauer. Zwei verschweißte Bleche bläht er mit Hilfe von Druckluft oder auch normalem Leitungswasser auf, ähnlich dem Aufblasen einer Luftmatratze verformt sich das Blech zu einem teils gewellten, teils eingedellten Kissen. Der Druck ist teilweise so stark, dass sich sogar die Halterungen aus massiven Eisenträgern verbiegen – eine eindrucksvolle Demonstration der Kraft von Wasser.

Gerhard_Doppelhammer_Figuren_webGerhard Doppelhammer zeigt Figuren, die auf den ersten Blick wie schwere Bronzeskulpturen wirken. Tatsächlich sind sie aus Pappe und daher ganz leicht. Als Bildhauer, den jetzt eine Rheumakrankheit einschränkt, ist er eben auf leichte Materialien umgestiegen und hat, vielleicht auch als eine Art Therapie, die Einschränkung auch thematisiert – eine kraftvolle Demonstration von kreativer Anpassung an die Lebensumstände. http://www.gerharddoppelhammer.at/

 

Christoph_Luckeneder_GolgothaDerTs_webChristoph Luckeneder’s ‚Golgotha der T’s‘ nimmt Bezug auf das zunehmende Verschwinden von Schrift. Die Anordnung der drei T-Installationen erinnert nicht ganz zufällig an die 3 Kreuze von Golgotha. Die Beleuchtung der Buchstaben von innen nimmt ihnen die Schwere und lässt sie zu schweben scheinen, die stachelartig angebrachten Kabelbinder wiederum bauen Distanz auf, erinnern an Kakteen – eine kraftvolle Erinnerung an eine wesentliche Kulturtechnik. http://licht-christoph.at/ 

Wolfgang_Kirchmayr_Metamorphose_webWolfgang Kirchmayr nennt seine Installation ‚Metamorphose‘: ein gebogenes Stahlrohr von ca. 40 cm Durchmesser und ca. 5 Meter Länge öffnet sich mehrfach. Die abgetrennten Teile werden mit dem Rohr wieder verbunden, bzw. sind für die Installation dazu gefügt. Es kommt zu einer Öffnung und einer eigenständigen Komposition. Die warme Farbtönung der Oxydoberfläche, üblicherweise als vergänglicher Rost bezeichnet, hat für Kirchmayr eine große Faszination, für ihn ist sie ebenso eine natürliche Oberfläche, wie z.B. Stein, mit Festigkeit, Schwere und der Lebendigkeit von Veränderung.

Alois_Lindenbauer_WellenGebuendelt_webIn der Installation „Wellen, gebündelt“ thematisiert Alois Lindenbauer Zeitabläufe in der Geologie ebenso, wie in der Verwitterung von Holz. Pappelholzlatten werden der Witterung ausgesetzt. Auf Grund der Wuchsdichten und -bewegungen verformt sich das Holz in einem jahrelangen Prozess zu imposanten Formen. Die geologische Form der Weyrer Bögen in den Nördlichen Kalkalpen spiegelt sich in dieser Installation.  Beides, Holz und Kalkstein ist Wasser, Witterung und Jahreszeiten ausgesetzt und reagiert entsprechend. Die Bogenform spiegelt das Gewölbe der Halle wider und bezieht sie so in den Prozess ein.

Markus_Miksch_Stein&Eisen_webMarkus Miksch thematisiert in seinen drei Skulpturen aus Granit und Eisen die Bedingtheit eines Rahmens, dessen Einengung ebenso wie seine Ermöglichung von Bewegungsfreiheit. In einem Objekt ist Granit in einen starren, engen Rahmen aus Eisen erdrückend gezwängt. In einem anderen Objekt wiederum ist eine schwere Granitplatte in einem Eisenrahmen an dünnen Stahlseilen aufgehängt, sie ist bereits mit einem Finger in Schwingung zu bringen. Es sind die Umweltbedingungen, die den Unterschied machen. In einer Industriehalle wie dieser lässt es sich leicht auf die Arbeitswelt reflektieren. www.mmiksch.at

Peter_Kuba_SchmwarzeKoepfe_webAuch Peter Kuba nimmt in seinen Serien von „Kleinen Schwarzen Kopfarbeiten“ den menschlichen Bezug in der Arbeitswelt auf. Jeder der Köpfe zeigt eine andere Physiognomie, kein Ausdruck gleicht dem anderen. Auch hier lässt sich um die Bedingungen, die die arbeitenden Menschen in dieser Halle vorfanden, spekulieren. Erst durch die genaue Betrachtung werden die Unterschiede bemerkbar. Die Präsentation der kleinen Tonköpfe auf den langen Eisenstangen mutet auch wie Barrieren an. www.peterkuba.at

Robert_Moser_Maeander_webRobert Moser versteht es meisterlich, aus einfachen Materialien überdimensionale Objekte zu gestalten. „Mäander“ ist vier Meter hoch, zusammengesteckte und/ oder verbundene Industrierohre bilden einen Quader, der mit Stretchfolie umwickelt ist. Durch die Spannung der Folie hat sich der Quader leicht zur Seite geneigt, so seine Individualität gezeigt. Der Bezug zur stillgelegten Industriehalle lässt Assoziationen an die Auslagerung von Arbeitsprozessen in Billiglohnländer aufkommen und die Frage, wie sehr die Menschen hier unter der Spannung der Geschehnisse sich biegen müssen. www.robert-moser-atelier.at

Robert_Oltay_Spindel_webRobert Oltay nimmt das Thema Kammgarnspinnerei, die hier einst beheimatet war, auf.  Eine Spindel mit verleimter Jute ist frei beweglich im Raum aufgehängt. Zwei Reliefs „Fluss 1“ und „Fluss 2“, ebenfalls aus vielen Schichten Jute und Leim, nehmen die Wellenform und die Grüntöne des Wassers der Traun auf. Die Beleuchtung von unter erhöht die Plastizität der Materialien. Einige Skizzen an der Wand, auf gebrauchten Briefkuverts, sind eine Mahnung an Verschwendung wertvoller Materialien, die einst in der Gegend erzeugt wurden. www.robertoltay.at

Marlene_Schroeder_Wasserturbine_webDas Thema Wasser nimmt auch Marlene Schröder in ihren Arbeiten auf. Ihre Werkgruppe „Wasserkraft“ nimmt Bezug auf das in unmittelbarer Nähe gelegene Wasserkraftwerk. In einer speziellen Technik verschmilzt sie Glasplatten derart, dass unzählige blaue Luftbläschen entstehen. Die Anordnung der Glasplatten erinnert an eine Turbine. Eine weitere Arbeit erinnert an einen Wasserwirbel, der bei einem Spaziergang an der Traun immer wieder zu sehen ist. Zwischen den Glasplatten malt Marlene Schröder mit Glasurrohstoffen, die beim Verschmelzen die grafischen Muster ergeben. www.marlene-schroeder.at

Text und Fotos: Antonia Zimmermann

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