TRANSFORMATION | Prozesshafte Kunst

social gold / johannes angerbauerAls Bindeglied zwischen den unterschiedlichen Arbeiten der Künstler der Ausstellung SOCIAL GOLD – NO NAME in der Galerie der Kunstschaffenden der BVOÖ im Kulturquartier in Linz lässt sich der Begriff Transformation ausmachen. Johannes Angerbauer setzt ihn zur Bedeutungsverschiebung rund ums Gold ein, das KollektivNN interpretiert ihn als Auflösung und das Kollektiv biZZikletten zeigt ihn als Verwandlung. Der Besucher der Ausstellung ist in diese Transformation eingebunden und somit Teil dieser prozesshaften Kunst, die sich über mehrere Jahre und mehrere Ausstellungen erstreckt; dabei steht der Mensch immer im Mittelpunkt.

In seiner Essenz ist der Begriff ‚Soziales Gold‘ gespalten in einen materiellen Teil, als Goldmünzen, Goldbarren, etc …, und in einen immateriellen Teil, als Gold der Liebe oder der Verbindung der Religionen untereinander.  Von dieser Deutung befreit das Projekt ‚Social Gold‘ von Johannes Angerbauer prozesshaft unter Einbeziehung der Besucher. Vergoldete, bedruckte Platten aus Glas oder Metall werden von den Besuchern betreten, Gold reibt sich ab, der Mensch hinterlässt eine Spur und damit kommt der Untergrund zum Vorschein. In diesem Fall ist es eine vergrößerte Telefonbuch­seite, die wiederum Menschen aus der Anonymität befreit. Menschen wirken auf Menschen ein und dies solange, bis alle Menschen vom Gold befreit sind. www.socialgold.com.  Die ‚Transformatorhandlungen‘ von ‚Social Gold‘ sind dokumentiert:

 

Seifenschleifen / KollektivNNTransformation ist bei den Arbeiten des KollektivNN rund um Andreas Schönanger und Daniel Hilgert ein andauernder Prozess, bei dem Besucher der Ausstellungen einen wesentlichen Anteil haben. Die Dokumentation der Ausstellung im Kunstquartier in Osnabrück ‚Goldene Zeitverschiebung‘ ist Ausgangspunkt  für einen weiteren Transformationsschritt. Postkarten mit automatisch per Stechuhr gemachten Selfies der Osnabrücker Besucher sind auf einem Spiegel flächendeckend aufgeklebt. Besucher der Linzer Ausstellung können sich eine Postkarte mitnehmen und verschicken. So wird nach und nach der Spiegel befreit und man sieht sein eigenes Spiegelbild. Ein weiteres Projekt unter Einbeziehung der Besucher nennt sich Seifenschleifen. Eine kleine Menschfigur aus Seife wird in ein Aquarium mit Wasser gefüllt, versenkt und löst sich während der Ausstellung dort langsam auf, das Wasser trübt sich ein. Am Ende der Ausstellung wird der Seifenschlamm zu Waschpulver verarbeitet, abgefüllt und um 1€ pro Ausstellungstag verkauft, signiert und durchnummeriert als Kunstwerk oder zum Verbrauch. Das nicht verkaufte Pulver wird wieder zum Seifenmensch verarbeitet und neuerlich der Transformation ausgesetzt, so lange bis alle Seife verkauft ist. Übrigens: mit jeder Umwandlung steigt die Qualität der Seife. www.kollektivnn.org

Tranformation / biZZiklettenTransformation setzt das Kollektiv biZZikletten mit Textilien in zweifacher Weise um. Karin Waltenberger, Johanna Hölldobler und Kate Heller zerlegen alte, getragene Kleidungsstücke und anonymisieren sie damit. Diese Auflösung kann entweder als eigenständiges Kunstobjekt bestehen bleiben oder wird einer weiteren Verwandlung ausgesetzt, indem ein neues, tragbares Kleidungstück daraus wird. Dieser Verwandlungsprozess kann beliebig oft durchgeführt werden und immer mit der Wahl: Objekt oder tragbares Kleidungsstück.  www.bizzikletten.at

 

Text und Fotos: Antonia Zimmermann

social gold - no name / angerbauer kollektivNN biZZiklettenSOCIAL GOLD – NO NAME

Galerie der Vereinigung Kunstschaffender OÖ / Ursulinenhof Linz
bis 23. November 2016 / Mo-Fr 15-19; Sa 13-17
www.diekunstschaffenden.at

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