TRADITION | HEUTE

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Eckart Sonnleitner / LINIEN & Elisabeth Höfer / IKEBANA in der Ornamentgalerie in Oberneukirchen 201707

Prinzipien traditioneller Kunstrichtungen neu interpretiert.

In kongenialer Weise zeigen 3 Künstler in der Ornamentgalerie in Oberneukirchen in OÖ, wie man künstlerische Tradition in die heutige Zeit herüberführen kann. Eckart Sonnleitner setzt Prinzipien der traditionellen Kalligrafie bei seinen Linienbildern ein. Elisabeth Höfer zeigt sowohl traditionelles Ikebana (=Blumensteckkunst) als auch deren zeitgemäße Interpretationen. Rainer Füreder interpretiert die Hinterglasmalerei, indem er sie um neue Aspekte erweitert.

Ausgangspunkt  für Eckart Sonnleitners LINIEN-Arbeiten ist die Kalligrafie. In der japanischen Kalligrafie und im ZEN Buddhismus steht die Linie für gespeicherte Energie. Sie wird in einem Fluss mit der Ausatmung  gezogen, wenn man frei von Alltagsgedanken ist. Pinsel und Hand verschmelzen, werden eine Einheit, das Qi, die Energie ist dann am intensivsten. Dieses Prinzip nutzend führt Eckart Sonnleitner in seinen LINIEN-Arbeiten die Bedeutung des Schriftzeichens in Bildhafte zurück. Im Gegensatz zur Kalligrafie benutzt er neben der Tinte auch Farben aus Naturmaterialen, wie zum Beispiel Eitempera und übermalt damit den traditionell nur einen möglichen Strich. Reste vom Leinöl der Eitemperafarbe fügt nachträglich noch Ölränder hinzu, so kommt noch der Zufall hinein und das Bild arbeitet ohne weiteres Zutun von sich aus weiter.

In der nächsten Phase seiner Linienarbeiten kombiniert Eckart Sonnleitner Fotografie und Malerei. Linien der Fotografie führt er weiter, die Zwischenräume der Linien (z.B. Baumstämme) aktiviert er, die Linien werden dann passiv und verschmelzen zu einer neuen Einheit. Schraffierungen beeinflussen die Körperlichkeit der fotografischen Gegenstände und heben den Unterschied zwischen Fotografie und Malerei auf. Die Einheit, der Fluss der kaligrafischen Tradition ist so wieder hergestellt.  www.eckartsonnleitner.com

                                                                                                                            

Seit mehr als 30 Jahren studiert und beschäftigt sich Elisabeth Höfer mit der japanischen Kunst des Blumensteckens IKEBANA. Sie hat ihren Ursprung im religiösen Kontext als Blumenschmuck für die Buddhastatuen und kam von China nach Japan. Dort löste sie sich bald aus dem Religiösen Kontext heraus. Bald gab es IKEBANA-Wettbewerbe und –Ausstellungen. In den 1960er Jahren kam Ikebana auch nach Europa.

Als Abbild des Kosmos ist Ikebana einigen Kriterien unterworfen. Die Asymmetrie ist wichtig; die Zweige dürfen nicht gleich lang oder gleich dick sein. Blumen – es werden nur einzelne Arten genommen und nur wenige Blüten – sollen verschieden hoch sein; Natürlichkeit soll dominieren; Vergänglichkeit soll sichtbar gemacht werden; Gefäß und Pflanzen bilden eine Einheit.

Verschiedene Schulen beachten die Kriterien unterschiedlich streng. Die Shoka – Form z.B. ist eine strenge Form, bei der so zu stecken ist, wie die Pflanzen im Idealfall wachsen: mit Knospe, Blüte und etwas Angewelktem als Mahnung an die Vergänglichkeit. Die modernen Schulen sind nicht mehr so streng; hier darf man auch beschneiden, auch Künstliches und Getrocknetes darf verwendet werden. Ein lebendiger Eindruck muss jedoch erhalten bleiben, d.h. irgendetwas Lebendiges muss dabei sein. Die traditionelle Rikka- Form spiegelte die unterschiedlichen Gesellschaftschichten wieder, indem die Pflanzen in unterschiedlichen Höhen gesteckt wurden, als Symbol für Kaiserhaus, Samurai, … Seit dem Jahr 2000 wird auch die moderne Rikka – Form praktiziert: alle Pflanzen kommen aus einer Ebene und verzweigen sich dann. Ein Spiegelbild der heutigen Gesellschaft.

Die alten Formen im Hintergrund, praktiziert Elisabeth Höfer heute ein IKEBANA mit Pflanzen, die Farbe ins Leben bringen, die Freude geben, Esprit und Pfiff haben. Auch gerne mit Pflanzen aus der direkten Umgebung mit Wiesenblumen z.B. Bei aller Modernität ist doch eine meditative ZEN-Kunst geblieben, bei der alle Sinne beteiligt sind: jedes Blatt wird einzeln betrachtet, mit allen Sinnen erfasst, ertastet, gerochen, betrachtet. Zweige auf ihre Biegsamkeit untersucht und dann nach ästhetischen Gesichtspunkten verarbeitet. Elisabeth Höfer gibt ihre Erfahrungen auch in Kursen weiter.  https://ikebana-linz.jimdo.com/

 

Rainer Füreder hat die Hinterglasmalerei völlig neu Interpretiert und mit Aquarell-Malerei kombiniert. Dazu malt er grafische Muster in Hinterglastechnik, als Linien mit unterschiedlicher Breite. Als Hintergrund malt er florale Aquarelle, die er mit Distanz mit der Glasplatte kombiniert. Dabei ist es ihm wichtig, dass Freiräume zur Orientierung im Bild erhalten bleiben. Durch die Beleuchtung und den Abstand zum Hintergrund wirft die Grafik der Glasplatte Schatten, die als zusätzliches Element zum Bild dazukommen, immer unterschiedlich, je nach Lichteinfall.

Als studierter Textildesigner experimentiert Rainer Füreder immer wieder mit unterschiedlichen Materialen. Aktuell zeigt er eine ebenfalls neue Interpretation des Scherenschnitts. Beim klassischen Scherenschnitt müssen naturgemäß alle Ecken verbunden sein, das führt oft zu ästhetischen Kompromissen. Um die zu vermeiden und trotzdem die Luftigkeit und Leichtigkeit zu erhalten, platziert er seine Elemente auf durchsichtige Gitternetze, die sogar von hinten beleuchtet werden können und so den schwebenden Eindruck verstärken. Die Ornamenthaftigkeit seiner Arbeiten ist Programm, deshalb der Name ‚Ornamentgalerie‘ in Oberneukirchen.

 

Text und Fotografie: Antonia Zimmermann

 

 

Ornamentgalerie
Marktplatz 41 / 4181 Oberneukirchen
Bis 23. Juli 2017 / Do – So 17 – 21 Uhr
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