TIEFENSTRUKTUR

deep structure artV‘ / Tiefenstruktur nennt Burkhard Zimmermann sein Projekt zur Erkundung der Formensprache, die hinter den Dingen steckt. Die Digitalisierung unserer Gesellschaft schreitet rapide voran. In der KUNSTNOTIZEN – Radiosendung im Freien Radio Freistadt begeben wir uns immer wieder auf Spurensuche nach digitalen Elementen / Experimenten in der bildenden Kunst. Diese Spur 6 exploriert die Nutzung digitaler Technologien, die für künstlerische Experimente tauglich sind. Bei diesem Projekt über die Tiefenstruktur kommt es zur einer Verbindung von medizinischen Bildvorlagen, wie Röntgen-, CT-, MRT-Aufnahmen , die in komplexen Verfahren produziert werden, mit der leistungsstarkenTechnologie der Werkzeuge der Bildbearbeitung von Photoshop. Mit erstaunlichen Ergebnissen: bläulich-graue medizinische Bilder werden in farbenfrohe und formenreiche umgewandelt.

Burkhard-Zimmermann_Vorlage-zu_deep-structure-art / TiefenstrukturMedizinische Bildvorlagen haben durch ihr Herstellungsverfahren bereits Tiefenstruktur, zwar werden sie 2-dimensional bildhaft dargestellt, mit geeigneten Werkzeugen jedoch kann man wieder in die Tiefe tauchen. Photoshop bietet leistungsstarke Werkzeuge an, die vorwiegend in der Werbung und in der Grafik-/Designszene zum Einsatz kommen. Für kreative, künstlerisch tätige Menschen bieten sie eine Vielzahl von Möglichkeiten zu experimentieren. Die Werkzeuge beruhen auf mathematischen Formeln, ausgedrückt in Algorithmen, die die ihnen präsentierten Bildpunkte interpretieren. Im Projekt ‚deep structe art‘ / Tiefenstruktur taucht Burkhard Zimmermann mit Hilfe der Photoshop-Werkzeuge  in die bläuliche-graue medizinische digitale Burkhard-Zimmermann_XPressives-20151117080745-(21)_deep-structure-art / TiefenstukturBildvorlage ein, es sind winzigste Ausschnitte, die zum hier Einsatz kommen. Die resultierende Ansammlung  von Bildpunkten unterschiedlicher Dichte wird dann mit weiteren Werkzeugen interpretiert. Dunkle Stellen könnte der Algorithmus als Tiefe oder Ferne interpretieren, helle wiederum als Höhe oder Nähe. Andere Werkzeuge interpretieren die Farbstrukturen, bauen Linien auf… So lässt sich eine Formensprache entwickeln, die abhängig von der angebotenen Vorlage sehr unterschiedlich sein kann. Da es um Tiefenstruktur geht und immer nur kleinste Ausschnitte in einem Bearbeitungsschritt verwendet werden, kann man aus einer einzigen Bildvorlage eine Vielzahl von unterschiedlichen Bildern erzeugen. Man kann auch aus jedem Ausschnitt wieder einen winzigen Ausschnitt nehmen und bearbeiten, eigentlich beliebig oft, es werden immer genügend Bildpunkte übrig bleiben, sonst gäbe es kein Bild mehr. Die Strukturen jedoch verändern sich immer wieder. Nicht jede Stelle aus der Bildvorlage liefert ein ästhetisch ansprechendes Bild. Es liegt am Geschick und der Erfahrung des Bearbeiters, relevante Stellen und die passenden Werkzeuge auszuwählen.

Eine interessante Erkenntnis aus diesem Projekt ist, neben den ästhetisch ansprechenden Bildern, die derzeit in der Galerie der Elisabethinen in Linz zu sehen sind, dass  die gefundenen Formen in anderen Umgebungen in ähnlicher Weise zu finden sind. In der Geologie z.B. bei Bodensondierungen zur Suche nach Öl/Gasvorkommen in der Tiefe der Meere vor Norwegen; oder in der medizinischen Diagnostik bei Gewebeuntersuchungen. Wie im Großen, so im Kleinen. Rupert Sheldrake hat mit seinen morphogenetischen Feldern schon darauf hingewiesen.

Insgesamt ist es ein spannendes Projekt, bei dem neue Technologien vernetzt werden, um zu künstlerischen Ergebnissen zu kommen. Dies ist nur ein Beispiel, wie die Digitalisierung auch die bildende Kunst erreicht. Es wird in Zukunft spannend werden, wenn künstlerische Kreativität und Technologie sich immer mehr verlinken. Wobei die meisten Softwareprogramme bedienfreundliche Werkzeuge zur Verfügung stellen, so dass sie auch ohne vertieftes Hintergrundwissen anwendbar sind. Allerdings muss man sich deren Handhabung aneignen und eine Experimentierlust entwickeln. Gleiches gilt ja auch für etablierte künstlerische Werkzeuge, ein Pinsel und eine Farbe allein machen noch kein Kunstwerk.

Burkhard Zimmermann  ist  auf Grund seines Alters (80 Jahre) ein ‚digitaler Immigrant‘. Da er sich sein Leben lang immer wieder mit neuen Technologien auseinandergesetzt hat, war es für ihn selbstverständlich, sich auch mit der digitalen Welt auseinander zu setzen, sie zu verstehen, Verfahren kennen zu lernen und seine Erkenntnisse kreativ zu verwerten. Darüber berichtet er auch in einem regelmäßigen Blog auf seiner Webseite www.burkhardzimmermann.at.

Text: Antonia Zimmermann

Sendung zum Nachhören:  https://cba.fro.at/341100

                                                                                                                                                                   

Burkhard-Zimmermann_deep-structure-art / Tiefenstruktur / XpressivesPOETICS & XPRESSIVES
Digitale Experimente
Antonia  & Burkhard Zimmermann
Galerie der Elisabethinen
Fadingerstraße 1 / 4020 Linz
Bis 1. Juni 2017 / Mo – Fr 14 – 18 Uhr

 

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