SPURENSUCHE | SPUR 01

Spurensuche 01
Spurensuche im Freien Radio Freistadt mit Andrea Fröhlich und Roland Wegerer

In der letzten KUNSTNOTIZEN-Radiosendung haben wir uns live gemeinsam mit den Künstlern Andrea Fröhlich und Roland Wegerer auf Spurensuche nach zukunftsweisender Kunst begeben. In dieser einstündigen Diskussion hat sich eine Spur deutlich hervorgehoben. Spur 01 nimmt die Kriterien unserer digitalen Zeit auf, setzt sie kreativ um, ohne zwingend technikaffin zu sein.

Alle unsere Lebensbereiche sind durchdrungen von schnellem Austausch, Vernetzung  zwischen Menschen und zunehmend auch zwischen Menschen und Dingen und in naher Zukunft auch den Dingen untereinander (‚Internet der Dinge‘). Künstler, als Seismographen, nehmen die Tendenzen auf und gestalten kreative Prozesse damit. Hier sind wir schon an einem wichtigen Punkt: Kunst beschränkt sich nicht mehr auf ein 2D- oder auch 3D – Objekt/Projekt, sondern erhebt den Anspruch, aktiv in die Gesellschaft einzugreifen und sie in Teilen mitzuformen, durchaus auch mit Spaß und Leichtigkeit.

Beispiel 1: EXPERIMENTELLES WANDERN                                                         
Roland Wegerer nimmt hier einen allgemeinen Trend zum Anlass, einen Bewusstseinsprozess  in Gang zu setzen. In einer geführten Wanderung bringt er durch das Abweichen von eingefahrenen Pfaden und mit ungewöhnlichen Aktionen Menschen dazu, ihre gewohnte Umgebung neu wahrzunehmen, den Blick zu schärfen, die Aufmerksamkeit zu fördern. Würde man eine solche Wanderung alleine machen, käme man in den Verdacht, verrückt zu sein. Als Kunstprojekt, gemeinsam mit anderen Menschen, ist eine lustvolle Erfahrung, die gleichzeitig eine Horizont- und Erfahrungserweiterung ist.  www.rolandwegerer.com

 

Beispiel 2: SPACE DEVELOPMENT
Der amerikanische Künstler Theaster Gates wollte dem Leerstand und damit dem Verfall von Häusern in seiner Umgebung entgegenwirken, um damit auch die Abwanderung der Menschen zu stoppen. Er kaufte eines der leerstehenden Häuser, begann sich mit der Bevölkerung zu vernetzen, um es zu renovieren. Aus altem Holz und anderen Materialien, die für die Umgestaltung entsorgt werden mussten, schuf er Kunstobjekte, mit deren Verkauf er die Renovierung weiter finanzieren konnte. Er gründete die ‚Rebuild Foundation‘, eine Plattform für Kunst, kulturelle Entwicklung und Nachbarschafts-Transformation, deren Projekte Künstler unterstützen und die Gemeinschaft stärken sollen, indem sie einen freien Zugang zu Kunst ermöglichen, neue kulturelle Einrichtungen entwickeln und einen leistbaren Zugang für ein Leben als Künstler schaffen. Mittlerweile sind es viele Häuser geworden, die Gegend wurde so attraktiv, dass sich nun auch das wirtschaftliche Umfeld wieder etabliert hat. Aus einer einzigen künstlerischen Idee entstand ein neuer Lebensraum.  theastergates.com. Übrigens: Ein ähnliches Projekt wurde vor kurzem in Freistadt mit dem MÜK-Haus gestartet. www.muehlviertel-kreativ.at

 

Beispiel 3: AEC
Das Ars Electronica Center in Linz konfrontiert den Besucher mit neuen Technologien, die künstlerische Anwendungen finden könnten. Um etwas Neues schaffen zu können, müsste ein Künstler auch Wissenschaftler, Techniker und in mehreren Disziplinen ausgebildet sein. Wofür natürlich ein einziges Leben heute nicht mehr reichen würde. Nur eine Vernetzung von Experten unterschiedlicher Disziplinen, einschließlich von Künstlern, kann hier zu zukunftsweisenden Ergebnissen führen. www.aec.at

 

SPUR 01

Nicht ein einzelner Künstler schafft ein singuläres Werk. Es ist eine kreative Idee, die in die Gesellschaft hineinwirkt, die für ihre Umsetzung die Vernetzung von Gleichgesinnten voraussetzt und in ihrem Ergebnis Teilaspekte der Gesellschaft verändert. Der Künstler ist Seismograph einer Stimmung, Visionär einer Lösung und interdisziplinär vernetzt in der Umsetzung.

Text: Antonia Zimmermann

Radiosendung zum nachhören: https://cba.fro.at/326795

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