REALITÄTSVERSCHIEBUNG

Klaus-Scheuringer_Selbstpoträt-und -Autokorrektur-mit-super-like REALITÄTSVERSCHIEBUNGKlaus Scheuringer und Gerhard Brandl betreten mit ihren gemeinsamen Ausstellungen immer wieder Neuland. Aktuell in Neuland 3 in der Galerie Paradigma in Linz dominiert das Thema Realitätsverschiebung. Gerhard Brandl zeigt seine ‚broken landscapes‘ und Klaus ScheuringerSelbstporträt und Autokorrektur mit super like‘. Bei Neuland 3 geht es einerseits um den Standpunkt der Betrachtung, um das genaue Hinsehen und um eine Realitätsverschiebung, mit durchaus unterschiedlichen Zugängen.

Klaus-Scheuringer_Selbstpoträt-und -Autokorrektur-mit-super-likeKlaus Scheuringers Titel ‚Selbstporträt und Autokorrektur mit super like‘ spielt bei seiner Realitätsverschiebung mit den Paradigmen unserer Zeit, den Selfies, der Autokorrekturtaste und der Selbstdarstellung. Selbstporträts, Selfies können heute durch diverse Apps und Filter ganz leicht manipuliert werden. Dies führt zu einer Veränderung der Realität, einer Art Maskierung. Masken gibt es bereits seit Urzeiten, in der Steinzeit und auch in der griechischen Komödie, sie wurden besonders für rituelle Zwecke eingesetzt. Klaus Scheuringer hat die Maske hier in die Jetztzeit transponiert. Durch die Übergröße wirkt sie bedrohlich, übermenschlich und tritt plakativ in den Vordergrund. Und doch verbirgt sich hinter jeder Maske ein Gesicht. In diesem Sinn sind die geschönten Selfies ebenfalls Masken, hinter denen sich das wahre Gesicht verbirgt. Sie sind illusorische Verbesserungen, die in der Realität wirkungslos bleiben. Mit ‚super like‘ treibt er das Thema auf die Spitze, es bedeutet im Umfeld der Chat-Szene eine Aufforderung zum Sex.

Klaus-Scheuringer_Selbstpoträt-und -Autokorrektur-mit-super-like_web-2Eine Serie von Monotypien zeigt den Formenschatz des künstlerischen Inventariums von Klaus Scheuringer. Es sind Fragmente seiner Arbeiten, aus denen er einzelne Formen oder auch Texte herausnimmt und seitenverkehrt auf einer Abdruckplatte zu Papier bringt. Der Druck der Hand beim Arbeiten schafft einen zufällig gesetzten grafischen, bildhaften Abdruck, der die Arbeit atmosphärisch erhöht und einen prosaischen Eindruck schafft. Jede Monotypie steht für sich selbst, als Serien-Block jedoch entsteht durch die Bildfolge eine Geschichte, die je nach Bildanordnung unterschiedlich ausfallen kann. Auch kommt es jeweils zu einer Realitätsverschiebung.

Gerhard-Brandl_broken-landscapesGerhard Brandls ‚broken landscapes‘ sind auf den ersten Blick ästhetisch ansprechende, gut ausgearbeitete Grafiken, die für sich schon ausstellungswürdig sind. Bei genauerem Hinsehen sieht man Brüche, die zur Realitätsverschiebung führen. Ein Berg, eine Kraterlandschaft, zweimal das gleiche Bild, die Position der Betrachtung entscheidet über Höhe oder Gerhard-Brandl_broken-landscapes_web-3Tiefe. Das gilt für Gerhard Brandl durchaus als Hinweis auf aktuelle gesellschaftliche Themen. Das gleiche Bild zeigt vertikal gespiegelt einen imposanten Schmetterling. Es ist Teil einer Serie von Berglandschaften, die gespiegelt unterschiedlichste Schmetterlinge ergeben. Die Faszination liegt hier in der Erkenntniss, dass etwas so gewaltiges, wie ein Berg sich in so etwas leichtes und delikates, wie einen Schmetterlingsflügel, verwandeln lässt. Reflexionen auf gesellschaftliche Themen drängen sich auch hier in den Vordergrund. Eine Fotoserie wirft die Frage nach der Bedeutung des Menschen im Bezug zur Natur auf. Es sind Landschaftsaufnahmen, die erst bei genauer Betrachtung einen nackten Menschen winzig klein preisgeben.

Gerhard-Brandl_broken-landscapesbroken landscapes‘  zeigen sich besonders deutlich bei den detailliert ausgearbeitet Zeichnungen von Landschaften, die erst bei genauem Hinsehen Brüche erkennen lassen. Ausschnitte der Zeichnungen, die leicht verschoben oder gedreht wieder zusammengesetzt werden, fügen sich erstaunlich harmonisch in das Bild ein. Die feinen Linien scheinen  sich ganz natürlich fort zu setzen und obwohl sie sich biegen, ergibt sich wieder etwas natürlich Ganzes.

Text und Fotos: Antonia Zimmermann

NEULAND 3
Klaus Scheuringer: ‚selbstporträt und autokorrektur mit super like‘
Gerhard Brandl: ‚broken landscapes‘
Galerie Paradigma, Linz  Landstraße 79/81
bis 7. April 2017 Mi – Fr 14 – 19 Uhr

 

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