RAUM : umhüllt

Michael_Lauss_Nemesis_webMichael Lauss umhüllt in seinen Holzarbeiten Raum. Seine Vorstellung von einem Objekt umbaut er dafür mit Hilfe von Holzteilen unterschiedlicher Größe. Die Faszination seiner Objekte liegt in der Nichtperfektion, den groben Oberflächen, die zum genauen Hinsehen einladen. Zu sehen sind die Objekte in der Ausstellung ‚ZUM BEISPIEL: ENGEL‘ in der Studiogalerie der Kunstsammlung OÖ im Kulturquartier Ursulinenhof in Linz im Rahmen von ‚Höhenrausch 2016‘.

Klassische Bildhauerei arbeitet Skulpturen aus einem Material heraus. Michael Lauss macht das Gegenteil, er fügt Material zu Plastiken zusammen. Dabei geht es ihm genauso um das Innen  wie um das sichtbare Außen. Es ist ihm nicht wichtig, was ist, sondern auch, was nicht ist. Er umbaut einen imaginären Raum, denn Raum wird nicht erschaffen, sondern im Raum ist alles bereits vorhanden, man muss es nur herausholen. Es ist dieses umgekehrte Denken, weg vom Konkreten, hin zum Imaginären, das ihn reizt. Alle seine Objekte sind hohl, sind umhüllter Raum.

Mit Kettensägen und Bandsägen baut er seinen Materialfundus auf. Umgeben von chaotisch aufgehäuften Bergen aus Holzstücken schafft Michael Lauss Ordnung, indem er sie gezielt zusammenfügt und gleichzeitig dem chaotischen Raum Form gibt. Für einen Bildhauer ist üblicherweise das Material heilig, dem will Lauss bewusst entgegentreten: durch die grobe Bearbeitung und durch Anfärben des Holzes will er das Material entmystifizieren.

Alle seine Holzarbeiten sind gefärbt. Wobei die Farbe eine eigene Aussagekraft hat. Die Plastik ‚Madonna mit Kind‘ z.B. ist gänzlich in Rosa gehalten. Rosa ist eine polarisierende Farbe, sie gilt gesellschaftlich als spirituell besetzt, gleichzeitig wird die aber auch als unseriös empfunden. In der rosa Madonna soll dieser Gegensatz versöhnt werden, so wie ja auch Konflikte und Brüche, die sich  in jedermanns Leben unweigerlich einfinden, zum Ausgleich kommen sollten.

In den Arbeiten von Michael Lauss findet man keinen Leim und keine Eisenteile und keine geraden Schnitte. Die Statik erhalten die Plastiken ausschließlich durch die Art der Schichtung und Einpassung der Holzteile. Da Holz arbeitet, können sie sich so den Umweltgegebenheiten anpassen, erhalten eine gewisse Lebendigkeit und dürfen sich verändern. Diese Arbeitsweise ist zeitaufwändig, erlaubt aber dem Künstler, in die Arbeit einzutauchen, sich darin zu verlieren, erlaubt der Intuition, den Schaffensprozess zu lenken und erweitert so die eigenen Wahrnehmung und auch die Wahrnehmung der Welt.

Text und Fotos: Antonia Zimmermann

Michael_Lauss_Madonna_webZUM BEISPIEL : ENGEL
Michael Lauss
Studiogalerie der KUNSTSAMMLUNG OÖ / Ursulinenhof Linz 2. Stock
bis 24. September 2016 / im Rahmen von ‚Höhenrausch 2016‘
www.michaellauss.de
www.diekunstsammlung.at

 

 

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