Photo-Graphics

Karl_Graugruber_Räume_webKarl Grausgrubers stark konzeptionelle, räumliche Arbeiten wirken wie Fotografien. Tatsächlich sind es graphische Arbeiten, die in Hinterglastechnik auf der Rückseite von Plexiglasplatten ausschließlich von Hand gezeichnet und gemalt werden. Er selbst bezeichnet sie als Photo-Graphics. Zu sehen sind diese eindrucksvollen Arbeiten derzeit im Hochfoyer des OÖ Kulturquartiers im Ursulinenhof Linz, der Galerie von dieKUNSTSAMMLUNG OÖ.

Räume faszinieren Karl Grausgruber. Sie dominieren sowohl inhaltlich als auch in der Präsentation seiner Arbeiten. Dabei spielt er mit den Perspektiven, verfälscht sie auch oft, so dass eine leichte Irritation zum genaueren Hinschauen anregt. Immer wieder findet man kleine Objekte, Sessel oder Tische oder auch eine Hose in seinen Bildern, sie sind so etwas wie ein Markenzeichen für Karl-Grausgruber-Bilder geworden. Betrachtet man sie genauer, fühlt man sich auch hier leicht irritiert und entdeckt so z. B. ein fehlendes Tischbein. In seinen neueren Arbeiten nützt er auch die Dicke der Plexiglasplatte, um Räumlichkeit vorzutäuschen, dies sogar mit Schattenwurf durch die Galeriebeleuchtung.

Karl Grausgruber arbeitet ausschließlich auf Transparentpapier oder Plexiglas, deren Durchsichtigkeit ihn fasziniert. Der Strich auf dem Transparentpapier hat für ihn eine besondere Qualität und die Farben gewinnen eine stärkere Leuchtkraft. Inhaltlich dominiert bei diesen Arbeiten der Raum und die Architektur. Auf die Plexiglasplatten malt er in Hinterglastechnik. Er hat das Motiv bereits klar vor Augen und besitzt die Gabe, es auch spiegelverkehrt umsetzen zu können. Dabei ist das Ergebnis auch für ihn erst nach Fertigstellung von der Vorderseite her zu erfassen. Was wie ‚Photo-Graphics‘ aussieht, ist alles handgemalt. Jeder Strich, sei er noch so fein, jede Farbfläche muss erst einmal abgeklebt werden, bevor gemalt werden kann, nichts ist vorgezeichnet, nichts messtechnisch markiert, sondern mit freier Hand und viel Erfahrung gesetzt. Selbst der weiße Rand, der an ein klassisches Passepartout erinnern und die photo-graphische Illusionen verstärken soll, ist erst abgeklebt und dann gemalt. Mit der Durchsichtigkeit der Platten spielt er auch gelegentlich, indem er nur die eine Hälfte bemalt, während die andere durchsichtig bleibt. So wird der Betrachter zum Teil des Bildes, wenn er davor steht und Teile von ihm sichtbar sind und mit dem Motiv verschmelzen.

Die Räumlichkeit der Bilder kommt auch in ihrer Präsentation zum Tragen. In diesem Fall sind es Kojen, die Räume schaffen und die Raummotive noch stärker hervorheben. In anderen Fällen werden die Glasplatten frei im Raum aufgehängt und schaffen eine unterteilte Architektur, manchmal sogar als Labyrinth.

Text und Fotos: Antonia Zimmermann

Karl_Grausgruber_Räume_DieKunstsammlung_2016_02_webRÄUME / Karl Grausgruber
dieKUNSTSAMMLUNG OÖ / Hochfoyer des OÖ Kulturquartiers Linz
bis 4. Juni 2016 / Di – Fr 14 – 18 Uhr, Sa 14 – 17 Uhr
www.karlgrausgruber.com
www.diekunstsammlung.at

 

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