PARADIDDLE

PARADIDDLE

Norbert Zuckerstätter bei S.I.X. Raum für Kunst in Seewalchen

Norbert-Zuckerstätter_paradiddle

Paradiddle ist eine Schlagabfolge beim Trommelspiel, eine Kombination von Einzelschlag und Doppelschlag, mit 16 Variationsmöglichkeiten, die kombiniert werden können und so immer komplexere Rhythmen hervorbringen. Die Paradiddle-Variationen zeigen sich in Form von Kreisen, deren unterschiedliche Darstellungen den Rhythmus der Ausstellung von Norbert Zuckerstätter bestimmen.

 Wie viele kreative Kulturschaffende hat auch Norbert Zuckerstätter einen Brotberuf, der glücklicherweise nicht allzu weit von seinen künstlerischen Ambitionen entfernt ist. Für naturkundliche Museen baut er Naturobjekte nach, ist immer wieder als Bühnenbildner tätig, kreiert auch Messestände. Bei all diesen Arbeiten kommt die Schablonentechnik zum Einsatz. Will er z.B. einen Fischscharm abbilden, schneidet er sich ca. 10 unterschiedliche Fischarten zu Schablonen aus, durch eine unterschiedliche Farbgebung baut er einen Schwarm auf und man merkt nicht mehr, dass es eigentlich immer dieselben Fische sind.

paradiddle_Norbert-Zuckerstätter_PapierschnittDieses berufliche Umfeld inspirierte Norbert Zuckerstätter zu seinen aufwändigen Papierarbeiten. Papier wird in 2cm breite Streifen gefaltet, horizontal, vertikal oder strahlenförmig, dann wir mit einem Locher über den Falzrücken gestanzt.

 

Die Schallplattenarbeiten entstanden bei einem Ausland­stipedium in Paliano in der Nähe von Rom,paradiddle_Norbert-Zuckerstätter_Schallplattenarbeiten wo Norbert Zuckerstätter mit Gegenständen gearbeitet hat, die er vor Ort im Atelierhaus vorfand. Er zitiert mit diesen Arbeiten die Praxis der Museen, Natürlichkeit vorzutäuschen: Baumrinden sind dort nicht aus Holz, sondern werden als Gips/ Polyäthylen- Abgüsse reproduziert. So auch bei seinen Arbeiten: nichts ist, wie es scheint. Die Schrauben sind nicht echte Schrauben, die Münzen sind nicht echte Münzen: sie sind allesamt Abgüsse.

Die Ölarbeiten auf Holz sind die visuelle Darstellung des Paradiddle. Rhythmus hat mit Zeit zu tun. Die Strecke, die man von A nach B beim Trommeln überbrücken kann, kann verschiedene Formen haben: gerade oder geschwungen. Wie man diese Zeit aus seiner Erfahrung als Trommler unterteilen kann, zeigt Norbert Zuckerstätter in diesen Arbeiten. Ähnliche Bewegungen der zeitlichen Darstellung zeigen auch seine Zeichnungen.

Papierarbeiten-Buch_Norbert-Zuckerstätter

In den Bucharbeiten zeigt sich der Rhythmus des Paradiddle dann in 3dimensionaler Form. Mit Messer und Skalpell entstehen topologische Strukturen, die auch den Bezug zum Inhalt des Buches herstellen. Der amerikanische Buchautor beschreibt darin Landschaften, die Norbert Zuckerstätter, trotz der Zerstörung des Buches wieder sichtbar macht. Er zeigt kreisförmige Erhebungen, Krater und Landschaften, die durch das einfallende Licht Schatten werfen und damit lebendig wirken.

Die Zerstörung der Bücher weist auf die Buchverbrennungen in Salzburg hin, wo 1938 tausende Bücher verbrannt wurden, weil sie dem damaligen Regime nicht genehm waren. Das wirft natürlich die Frage auf, welches Buch darf verbrannt werden? Norbert Zuckerstätters Antwort findet man in einem Würfel, der am Kaminofen zu finden ist, er enthält die Asche des Buches ‚Mein Kampf‘ von Adolf Hitler.

Auch die Holzarbeiten spiegeln den Paradiddle wieder. Aus einer stabilen Basis baut sich der Rhythmus immer lockerer auf, bis das obere Ende frei zu schweben scheint. Diese in letzter Zeit entstandene Holzarbeit führt Norbert Zuckerstätter wieder zu seinen Anfängen zurück, wo er bei einem Holzbildhauersymposium am Schwarzen Meer in Rumänien, ähnliche Arbeiten in Großformat aus Eichenholz gestaltet hat.

Eine Zusammenfassung des Gesprächs zwischen Lucas Cuturi und Norbert Zuckerstätter anlässlich der Ausstellungeröffnung der Ausstellung.

Text von Antonia Zimmermann

 

PARADIDDLE /  Norbert Zuckerstätter
S.I.X. Raum für Kunst  / Seewalchen / Litzberger Straße 30a
bis 4. September 2017 / Mo 14- 20 Uhr / od. Vereinbarung

 

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