Kunst in 3D

FormCode_Riebe_webDie Ausstellung  „form / code / maps : skylines“ / MARKUS RIEBE in der Galerie Schloss Puchheim zeigt Kunst in 3D-Optik, ohne Zuhilfenahme von 3D-Brillen.  Sobald der Besucher sich einem der Bilder in der Ausstellung  nähert, bemerkt er zu seiner  Überraschung, dass sich eine Zeichnung aus dem an der Wand hängenden Bild herausbewegt und vor ihm in der Luft schwebt. Und sie bewegt sich im Raum, wenn man sich selbst bewegt. Im  hängenden Bild selbst verbleibt  nur die Luftaufnahme eines Stadtteils, z.B. von Linz.

Markus Riebe experimentiert schon seit längerem mit der Symbiose von digitaler und analoger Kunst. In der hier gezeigten Serie „skylines“ sind Orte, die er besucht hat, durch digitale Landkarten, Stadtpläne, Grundrisse von Gebäuden – maps – repräsentiert. Seine Empfindungen, Stimmungen und Assoziationen an und über einen solchen  Ort bringt der Künstler mit Zeichnungen/ Farben in klassischer Form/form zum Ausdruck. Indem er so seine Assoziationen zu einem Ort kennzeichnet -kodiert/ mit einem code verschlüsselt- erschafft  Riebe seine ganz persönliche  „Ansicht“ dieses Ortes: seine eigene virtuelle skyline, an der er uns in einem Spiel mit virtuellen Räumen teilhaben lässt.

Wie aber kommt es, dass Riebes  Zeichnungen für den Betrachter über/vor  den maps zu schweben scheinen?  Der Künstler bedient sich dazu der bekannten, in der Kunst kaum  genutzten Lentikularplattentechnik. Spezielle Linsen auf Acrylplatten lassen jedes unserer Augen etwas anderes sehen- wie ja auch unser natürliches räumliches Sehen funktioniert. Hinter jeder Linse liegen 18 Teilbilder (im Zehntelmillimeter-Bereich), die vom Computer berechnet und leicht versetzt werden. Da der Rechner nun aber statt des natürlichen Augenabstands von wenigen Zentimetern einen fiktiven Augenabstand von 1,6 Metern einrechnet, kommt es zu dieser frappanten Raumwirkung der Riebe – Kunstwerke… Kunst in 3D ohne Brille!

In einer 2D Ansicht am  Bildschirm oder im gedruckten Katalog  bleibt die Kodierung der form inaktiv. Erst auf den Platten und in der Gegenwart eines schauenden Betrachters entwickeln diese Bilder ihre variantenreiche 3D Optik. Die Vielzahl der im Raum zwischen einem Lentikularbild und dem Betrachter schwebenden grafischen Muster ist Teil der raumgreifenden Kunst des Markus Riebe. Da sich das besondere Raumerlebnis nur in der persönlichen Konfrontation mit dem Kunstwerk  offenbart, wäre es wirklich schade, diese Ausstellung zu versäumen. Das folgende Video kann eine Ahnung des Effektes vermitteln:

„form / code / maps : skylines“ / MARKUS RIEBE
Galerie Schloss Puchheim
bis 1. Mai 2016 / So 10 – 12 Uhr od. Tel. 0650 50 51 853
www.riebe.at
www.galerieschlosspuchheim.at
Text, Video und Fotos: Antonia Zimmermann
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