Kolonie !

Kolonie! Atelierhaus Egon HofmannDie Künstler/innen des Atelierhauses Egon Hofmann besiedeln als ‚Künstlerkolonie‘ vorübergehend die ‚Künstlerkolonie‘ Salzamt und weisen auf die vielfältigen Aspekte von ‚Kolonie‘ hin. Üblicherweise assoziiert man mit Kolonie den politischen Aspekt des Kolonialismus, dass es darüber hinaus auch einen sozialen, biologischen, soziologischen, zoologischen, … Aspekt gibt, darauf weist das Ausrufezeichen hin.

Gleich am Eingang der Ausstellung weist Margit Greinöcker mit einer Umleitung darauf hin, dass heute üblicherweise die Wege außen um eine Stadt herum durch die allgegenwärtigen Einkaufszentren führen, die man durchaus als Kolonien unserer Zeit bezeichnen kann – mit all den Konsequenzen, die sie haben.

Das Forschungslabor von Claudia Czimek wiederum weist auf sprachliche und archaisch-alchimistische Experimente hin, die zu neuen Entwicklungen und neuen Lebensformen führ(t)en. In einer Performance mühsam geschmiedete eiserne Worte, eingesperrt in Reagenz­gläsern, werfen die Frage auf, wie viel Nutzen sich aus diesen Experimenten ziehen lassen.

Gerlinde Miesenböck stellt  in ihren aktuellen Fotografien einer Künstlerkolonie in Paris, bei denen sie die Menschen jeweils herausretuschiert hat, die Frage, was übrig bleibt, wenn Menschen einen ‚kolonialen‘ Ort wieder verlassen.

Die Installation von  Elisabeth Kramer nimmt die Missionierung ins Visier. Die Schieflage der Installation schafft Unbehagen, das noch verstärkt wird durch einen Mohr mit Wackelkopf, der als Sparbüchse dient  und ein Video über die Hl. 3 Königs Sammelaktion, die über die Rolle der Kirchen bei der Kolonialisierung nachdenken lässt.

Sonja Meller nimmt den früheren Begriff ‚Kolonialwaren‘ als Qualitätsmerkmal wieder auf. In einer Aktion hat sie mit Klebebuchstaben dieses Wort auf die Glasscheiben von einigen Nespresso-Filialen in Linz angebracht. Kaffee war eine der klassischen ‚Kolonialwaren‘ – und heute?

In den Gemälden von Andrea Lehmann sieht man sich mit der Plastikproblematik konfrontiert – Entsorgung wird ‚kolonialisiert‘.

Dass es auch Bakterienkolonien gibt, zeigt Betty Wimmer auf. Speichelproben aus der ‚Atelierhaus-Kolonie‘ wachsen in Nährlösungen heran und verändern sich ständig.

In einem Kübel voll Wasser schwimmen Plastikenten dicht gedrängt im Kreis. Roland Wegerer verweist mit dieser Installation, dass Wassertiere häufig in Kolonien leben. Daneben verweisen drei Enten-Säulen auf eine Kolonie, wobei jede Säule wiederum eine Kolonie mit fünf bunten Enten bildet.

Alexander Jöchl weist in seinem schwarzen Zelt mit aufgehäuftem Zucker auf die Ausbeutung des klassischen Kolonialismus hin, auf Zuckerexport und Sklaverei.

Mit Margit Greinöcker schließt sich der Gang durch die Ausstellung. Das frühere Tauschmittel ‚Geld‘ ist zum Selbstzweck geworden und hat als Gier- und Machtpotential erschreckend aktuell ‚kolonialisiert‘.

Text und Fotos: Antonia Zimmermann

Kolonie!_SalzamtLinz_webKOLONIE! Ein Künstlerkollektiv erobert das Salzamt
Atelierhaus Salzamt Linz / Obere Danaulände 15
bis 27. April 2016 / Mo – Fr 11.30-14 Uhr + Mo, Do, Fr 16-18 Uhr
www.egonhofmannhaus.at
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