inspiration : games

inspiration gamesIn der Galerie Paradigma in Linz zeigen die Künstler Bomi Ahn und Jakob Lechner Arbeiten, von digitalen Games inspiriert und doch individuell umgesetzt. Bomi Ahn stammt aus Südkorea und verbindet in ihren Arbeiten die beiden unterschiedlichen Kulturen, Jakob Lechner wiederum baut seine Arbeiten aus analogen und digitalen Fundstücken und gibt ihnen so neue Bedeutung.

zim-20160907-173946Bomi Ahn stellt ihre Arbeiten unter den Titel „Vuja Dé“, die Umkehr von „De Javu“, dem schon einmal Gesehenen, aus dem nun das immer schon Gesehene neu betrachtet werden soll. Tatsächlich glaubt man, auf den ersten Blick das Gezeigte zu erfassen. Bei genauem Hinsehen entdeckt man die Brüche, in einem gemalten Bild besteht ein Arm z.B. aus künstlichen Gelenken und Rohren und wird zu einer mechanischen Konstruktion. Inhaltlich kommen zwei Aspekte zum Tragen, einerseits beschäftigt Ahn die Thematik der unterschiedlichen Kulturen, die südkoreanische und die westliche. Wobei für sie die westliche Kultur für Tradition und Vergangenheit steht (wie häufig in asiatischen, chinesischen Ländern) und Südkorea für die Zukunft. Die Spannung, die sich daraus ergibt setzt Ahn durch Figuren und Sujets aus Games, mit denen ihre Generation aufgewachsen ist, um. Sie lässt sich dabei von Stimmungen und Ereignissen leiten und sucht aus der Verbindung der beiden Kulturen Neues zu entdecken. Ihre Arbeiten sind figural, teils realistisch und teils surrealistisch anmutend. Es ist junge Kunst, die zum Reflektieren einlädt.

zim-20160907-173845Jakob Lechner stellt seine Arbeiten unter den Titel „when the clouds turn blue“ und meint damit, dass das Gesehene nicht das ist, was es scheint, so wie der Himmel in Wirklichkeit auch nicht blau ist, sondern uns nur so erscheint. Fundstücke, vorwiegend aus der Natur, werden recycled und mit neuer Bedeutung versehen. Z.B. Tannennadeln werden zur Basis einer abstrakten Grafik, die Nadeln werden verrotten, die Grafik bleibt als Erinnerung. Ähnliches macht Jakob Lechner mit Ästen und Zweigen als größerer Grafik. Gefundene Glasscherben werden zu einem 3D-Gemälde zusammengefügt, eine blaue Abdeckplane wirkt mit ihren unterschiedlichen Ausbleichungen wie ein gemaltes abstraktes Bild. Auch Digital wird recycled. Aus Games der Anfangszeit dieser Technologie schneidet er Frames heraus, vergrößert sie, und verwandelt sie so ebenfalls in ein abstraktes, diesmal bewegtes Bild, das auf einen Rahmen projiziert wird und wie eine Wolke über einer Landschaft zu schweben scheint. Aus Legosteinen wird ein bunter beleuchteter Schriftzug ‚Game not over‘, als Umkehr dessen, was üblicherweise das Ende von Games anzeigt. Legosteine werden so ebenfalls recycled und in einer weiteren Arbeit in Bewegung gesetzt und mit einem Zitat von Arthur Schnitzler mit neuer Bedeutung versehen. Als digitales Recycling erscheint die Umrahmung einer Zeichnung, die dessen Titel im Binärcode, der Basis aller Computersprachen, anzeigt. Immer acht Zeichen ergeben einen Buchstaben. Rechts oben beginnend liest man ‚Orpheus, Euridice terminated 2015‘. Die Gleichzeitigkeit von Analogem und Digitalem, von Aktuellem und Vergangenem ist dabei auch nur scheinbar eine Abgrenzung, ganz im Sinne des Titels.

Text und Fotos: Antonia Zimmermann

Bomi Ahn & Jakob LechnerBomi Ahn ‚VUJA DÉ‘ & Jakob Lechner ‚when the clouds turn blue‘
Kunstverein Paradigma / Linz / Landstrasse 79/81
bis 30. September 2016 / Mi-Fr 14-19 Uhr od Tel. 0732 603848
www.kunstverein-paradigma.at
bomiahn.com

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