IMMIGRANT | WHO

digital natives digital immigrant
* 01. 06. 1996 in Ghazni / by Karl Artmann

34 Jugendliche aus über 20 Ländern beschäftigten sich mit ihrer digitalen Sprache, mit dem digitalen Raum und den damit verbundenen Stereotypen. Da sie jeweils als Immigrant gelten, drängt sich im Zusammenhang mit der digitalen Welt die Frage auf, wer hier als Immigrant gilt, wie sich die Integration gestaltet und ob sie überhaupt ausreichend stattfindet. Das Fazit hier vorneweg: jeder von uns ist ein digitaler Immigrant.

Die Ausstellung ‚DIGITAL NATIVES / DIGITAL IMMIGRANTS‘ im Coworking Loft Axis Linz in der ehemaligen Tabakfabrik zeigt nicht nur die Ergebnisse  ihrer Überlegungen in Wort, Bild und Ton, sondern will auch die Stimmung einer Immigration / Integration ansatzweise vermitteln. Betritt man den Raum, ist man mit leicht verblassten Fotografien konfrontiert und man befindet sich in einer komfortablen, ästhetischen, warmen Umgebung. Tritt man nach außen in den schmalen Gang, der den inneren Raum umgibt, empfängt einem die Novemberkälte. Erstaunt sieht man die gestochen scharfen Bilder aller 34 Jugendlichen und man begreift, dass man von innen nur die Rückseite der leicht durchsichtigen Fotografie gesehen hat. In der Dunkelheit wird zwar die Außenseite von der Straßenbeleuchtung erhellt, die Innenseite jedoch verschwindet vollkommen, es bleibt nur eine weiße Fläche sichtbar. Der äußere Gang ist so eng, dass man der abgebildeten Person ganz nahe kommt und quasi auf Augenhöhe zu ihr ist. Wenn man liest, wo sie geboren wurde, sieht man sich mit seiner eigenen Vorstellung von ‚Immigrant‘ konfrontiert.

digitalnativesdigitalimmigrants_texte_webLetztlich wandelt sich die Enge des Ganges zu einer großzügigen Weite. Hier findet man die Texte der Jugendlichen zu ihrer Gedankenwelt, zum Umgang mit der digitalen Welt, die für sie selbstverständlich ist, und für ‚digital immigrants‘ eben mühsam. Obwohl sie unterschiedliche Sprachen sprechen, gibt es eine gemeinsame digitale Sprache der ‚emoties‘, mit der eine basische Verständigung ohne weiteres möglich ist. In Tonspuren erklären sie die Zeichen.

Hier an dieser Stelle wird einem klar, dass der Begriff ‚Immigrant‘ ein Stereotyp geworden ist und sich ausschließlich auf geografische Zuwanderung bezieht. Betrachtet man jedoch unsere Bemühungen, uns in der digitalen Welt zurechtfinden zu müssen, können wir anschaulich erleben, wie mühsam Integration sich gestaltet. Viele der Digitalen Immigranten tun sich so schwer, dass es ab einem gewissen Punkt zu einer totalen Verweigerung der digitalen Integration kommt, die anderen mühen sich, die Sprache und Grammatik dieser digitalen Welt zu lernen, mit mehr oder weniger Erfolg. Nach dem Rundgang durch diese Ausstellung wächst die Hochachtung vor all jenen, die eine geografische Immigration gewagt haben mit mehr oder weniger Wahlmöglichkeiten. Auch wird einem bewusst, dass das Lernen einer anderen Sprache und einer anderen Kultur gar nicht so einfach ist, wie wir Natives uns das immer denken. Den Jugendlichen und ihren Betreuern ist es eindrucksvoll gelungen, uns einen Spiegel vor das Gesicht zu halten. Es bleibt die Hoffnung, dass diese Ausstellung weiterhin zu sehen sein wird, an möglichst vielen verschiedenen Orten.

Text und Fotos: Antonia Zimmermann

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* 20. 09. 1998 in Wels / by Karl Artmann

Fotografie / Performance / Geschichten
Axis Linz – Coworking Loft / Peter-Behrens-Platz 2
bis 4. Dezember 2016
Anmeldung: hello@axis-linz.at
www.dndi.at

 

 

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