HUBERT SCHMALIX

HUBERT SCHMALIX
PETER NIEDERTSCHEIDER
Hubert Schmalix & Peter Niedertscheider / Schloß-Parz

 

Eröffnungsmatinée: So 15. April 2018 11.00 Uhr
GALERIE SCHLOSS PARZ GRIESKIRCHEN

 

Hubert SchmalixHubert Schmalix
„Ich bin beim Malen nicht nervös oder zornig, sondern gut ausgeruht und konzentriert. Jeder Pinselstrich ist wichtig! Mit dieser Technik habe ich schon viele schöne Bilder gemalt.“
Hubert Schmalix wird mit der Marke der Neuen Wilden Malerei in Verbindung gebracht, als einer der führenden österreichischen Protagonisten der neoexpressionistisch figurativen Strömung der 1970er- und 1980er-Jahre. Allerdings beschränkt sich Schmalixs wilde Phase auf ein paar wenige Jahre.

Bereits 1984 wendet sich der Künstler von der „heftigen“ Malerei ab: „man kann die wilde Malerei nicht ins Endlose fortspinnen: Die Revolution ist gelaufen, jetzt muß man wieder Ordnung schaffen.“ So der Künstler. Jegliche emotionale Geste wird zugunsten einer klaren Bildarchitektur aus dem Geviert gedrängt. Ein planer Farbauftrag ist nun vorherrschend. Nicht aus der ungestümen Unmittelbarkeit entsteht ein Bild sondern durch eine klar definierte Syntax, eine piktoriale Grammatik. Idealisierte Frauenakte, Stillleben, Interieurs oder Landschaften entstehen. Diese Bildsprache ist auch für die aktuellen Werke bestimmend.

 

 

Zu den rezentesten Werken zählen die alpinen Landschaftsbilder mit pittoresken Mühlen am plätschernden Bächlein gelegen, konzentriert handgemalt. Sie wirken wie poppige Siebdrucke oder japanische Holzschnitte. Aber dennoch steht die Malerei im Zentrum. Die konkreten Vorbilder der gemalten Landschaften dafür sind Kitsch-Bilder aus dem 19. Jahrhundert – vom Dachboden heruntergeholt oder im Dorotheums- Freiverkauf erstanden –, Wohlfühl-Ausblicke in die konfliktfreie Landschaft, klischeebeladen. Alpenglühen über dem Ehebett. Schmalix transferiert sie in eine synthetisch flache Realität der Malerei, nimmt ihnen jegliche Naturtreue und den schönen Schein der heilen Welt. Das plätschernde Bächlein mutiert zum ornamentalen Gekräusel.
Schlussendlich sind Frauenakt, Interieur, Tier, Haus und Landschaft motivische Schablonen, die der Maler auf der Leinwand ausarbeitet. Im Fokus steht die Oberflächentextur, ob malerisch weich oder grafisch hart, atmosphärisch mit Tiefenwirkung oder stark flächig. Damit möchte Schmalix keine großen Inhalte transportieren, sondern über das Sujet als Maler verfügen, ohne dass sich der Sinn in den Mittelpunkt schiebt. „Es drängt mich richtig dazu nichts zu sagen, ich möchte nur den Gegenstand bei mir haben. Ich sehe mich als Dekorateur.“
Peter Niedertscheider Peter Niedertscheider
Seit 2007 ist der Marmor Peter Niedertscheiders favorisierter Werkstoff, ein Material, das im Kontext der aktuellen Kunst auf den ersten Blick befremdlich erscheinen mag. Niedertscheider hat u.a. bei Alfred Hrdlicka Bildhauerei studiert, dem Doyen der realistischen Skulptur. In der Tradition von Michelangelo und Rodin setzte Hrdlicka in seinen Marmorskulpturen auf Inhalt und Expression in figurativer Form, als Gegenposition zu den formalen Abstraktionen seiner Zeitgenossen nach Wotruba. Selbst in der Kunst nach 1945 galt diese Position als durchwegs anachronistisch, gegen den Strom der Avantgarde gerichtet. Niedertscheider transformiert jedoch die scheinbar klassische Bildhauerei ins konzeptuelle. Hierbei war sicherlich das Studium bei Brigitte Kowanz – gleichsam als Kontrastprogramm zur Hrdlicka-Klasse – impulsgebend. Vor den Marmorreliefs hatte Niedertscheider konzeptuelle Pinselzeichnungen gestaltet: die kleinteiligen Figuren wurden in Zeilen systematisiert und in eine Art Zeichensystem übersetzt. Die Handschrift wurde automatisiert, rhythmisiert, ähnlich einem meditativ konzentrierten Schreiben in der Zen-Kalligrafie.
Die dichte Anordnung der Figuren tritt oft auch in den rezenten Marmortäfelchen auf. Es sind zumeist Menschenansammlungen in öffentlichen Räumen, Badestrände mit Gedränge, überfüllte Rave-Partys und sich durch die Museen schiebende Ausstellungsbesucher. Entscheidende Merkmale in den Museums-Bildern ist eine Überschneidung des Zeitlichen und ein Realitäten-Mix. Alltag trifft auf Kunst, das Heute auf Historie. Alles ist aus einem Material geformt, ob die Nike von Samothrake oder ein Tourist mit kurzer Hose, Bananentasche und Ruderleiberl. Der Stein bleibt ungefasst, ehern, er unterscheidet sich nicht in Farbe und Stofflichkeit. Banales scheint überhöht zu werden; die Kunstwerke ihrerseits werden auf eine Ebene mit dem Alltäglichen gestellt. So erscheint ein schlafender Hermaphrodit im Ambiente der Ausstellungs-Touristen wie ein Badender auf seiner Luftmatratze. Tanzende in der Disco werden zu ringenden Kentauren und Halbgöttern. Der Künstler nimmt sich aus der Masse heraus und beobachtet die Besucher beim Betrachten – es sind Reliefs des Blicks. Technisch zeugen die Marmortäfelchen von großer Subtilität und feinen Graduierungen. Das Faktische des Materials löst sich zugunsten einer optischen Bildtiefe auf. Ein piktoriales Raumgefüge entsteht. Der Stein wird weich und malerisch. Niedertscheider presst das Relief – Rilievo Schiaciato – wie Donatello beim Drachenkampf des Hl. Georg für die gleichnamige Heiligenfigur für das Skulpturenprojekt an den Hauswänden von Or San Michele in Florenz, als Geburtsort der Skulptur der Neuzeit. Desiderio da Settignano und Michelangelo verfeinerten in Folge diese Relieftechnik. Sechs Jahrhunderte später überführt der in Osttirol lebende Künstler Niedertscheider das Quattrocento-Flachrelief in eine aktuelle Bildform. Niedertscheiders Marmorreliefs werden nun erstmals in Oberösterreich präsentiert.  www.niedertscheider.at 
Pressetext: Galerie Schloß Parz
Eröffnungsmatinée: So 15. April 2018 11.00 Uhr
Zur Kunst spricht: Florian Steininger, Direktor der Kunsthalle Krems
Die Künstler sind anwesend.
 
bis 17. Juni 2018 /  Sa, So, Mo 14 – 17 Uhr od. Tel 0660-6365980
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