GRAFISCHER SCHWUNG

Schungvolle Grafiken von mathilde GrußmannMathilde Grußmann zeigt ihre schwungvollen, reduzierten Grafiken in der Galerie des Gemeindeamtes in Weitersfelden. Sie sind Ausdruck von Empfindungen, aus der Intuition geboren, und bestechen durch ihre Einfachheit und Klarheit.

Bevor Mathilde Grußmann mit einer Arbeit beginnt, startet sie mit einigen Momenten der Konzentration und Sammlung. Ein Gefühl von ‚Was möchte Gestalt annehmen?‘ stellt sich ein. Dieses intuitive Gefühl übersetzt sich dann in den Schwung, mit dem sie mit Hilfe einer Tuscheflasche dieses Gefühl zu Papier bringt. Erst dann sieht sie sich an, was sich manifestiert hat. Manches gibt Sinn, manches nicht, manches verlangt nach Farbe, manches wird vernichtet: ein Gefühl von Stimmigkeit entscheidet.

zim-20161109-125631-webFarbe verwendet sie ebenfalls intuitiv. Die ganze Farbpalette vor sich liegend, sucht sie diejenige Farbe aus, die sie am meisten anspricht. Diese Farbe ist dann die Energie, die sie im Moment als Stimmungsmacher benötigt. Die Bilder von Mathilde Grußmann sind Stimmungsbilder. In ihr entwickelt sich etwas – ähnlich einem Kind im Mutterleib, bis zum Gefühl ‚es ist so weit‘, dann drängt es mit aller Energie nach außen – es wird geboren. Entsprechend nahe sind ihr manche Bilder und bleiben es für einige Zeit.

zim-20161109-125646Oft ergänzt ein Text die Grafik. Zum Beispiel beim ‚Krieger‘: Dieser grafische Schwung wurde zur Zeit der Terroranschläge in Paris ‚geboren‘ und wurde von ihr als Krieger wahrgenommen. Im Leben von Mathilde Grußmann gibt es nun zwei Grundpositionen, die Angst auf der einen Seite und die Liebe auf der anderen. So verlangte der Krieger der Angst nach einem Gegenpart. Den fand sie in einem Text von Hölderlin ‚Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch‘. Jetzt wird das Bild, aus einer Angst machenden Stimmung geboren, zum Mutmacher und ausbalanciert.

 

Neben den schwungvollen Grafiken zeigt Mathilde Grußmann auch einige Ölbilder, bei denen sie ebenfalls stimmungsabhängig mit Farben und Formen jongliert und experimentiert. Sie selbst bezeichnet sich als Lebenskünstlerin, wo bildende Kunst nur einen Teil ihres Lebens ausmacht. Genauso wichtig sind ihre Texte, die ähnlich ihren Bildern, ebenfalls aus der momentanen Stimmung geboren werden, sowie andere Interessen, die ein erfülltes Leben ermöglichen.

Text und Fotos: Antonia Zimmermann

EMPFINDUNGEN / Mathilde Grußmann
Malerei und Tuschezeichnungen
Galerie im Gemeindeamt Weitersfelden
bis 31. Dezember 2016 / zu den Geschäftszeiten

 

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