Gegengleiches

RuprechtPorod_JoeyPhetchamroen_Paradigma2016_webWie zwei Seiten einer Münze, wie Gegengleiches, präsentiert sich die Ausstellung im Kunstverein Paradigma in Linz als Reflexion über das Leben. Elfriede Ruprecht-Porod tut dies in „Sonnen-Flecken“ meditativ, reduziert auf das Wesentliche und Phubessawara ‚Joey‘ Phetchamroen schöpft in „Blind Artist in The Smell of Peace“ aus der Fülle des Lebens.

 

Die essenziellen Bilder der Ausstellung „Sonnen-Flecken“ von Elfriede Ruprecht-Porod entstanden in einer Auseinandersetzung mit der Welt und sind Ausdruck zauberhafter Momente der Erkenntnis. In „Um die Sonne Leben“, eine Keramikinstallation, zum Beispiel, drückt sie die Elfriede_RuprechtPorod_Paradigme2016_weberstaunliche Tatsache aus, dass wir in einem Jahr tatsächlich um die Sonne fliegen, immer und immer wieder, so lange wir leben. In der grafischen Arbeit „Ein halbes Jahr“, wo jeder Tag durch einen Strich als Zeitdiagramm dargestellt wird, wird einem plötzlich bewusst, wie wenige Striche das eigentlich sind, wie kurz ein halbes Jahr eigentlich ist. Sobald Elfriede Ruprecht-Porod Klarheit über ein derartiges Phänomen gewonnen hat, setzt sie die Energie der Erkenntnis in eine künstlerische Arbeit um. Diese essentielle Energie spürt man in ihren auf das Wesentliche reduzierten Arbeiten deutlich. Technisch sind die verwendeten Materialen wesentlich. Edles Papier ist das Trägermaterial. Gold ist seit eh und je und in allen Kulturen das Material, das symbolisch für Erhöhung, für das sich Abheben vom Alltäglichen steht. Es transportiert auch hier die dargestellte Erkenntnis, die auf der eher reduzierten Grafik dargestellt ist, auf eine höhere Ebene und erhöht damit seine Bedeutung.

Die Bilder von Phubessawara ‚Joey‘ Phetchamroen sind Darstellungen von bedeutungsvollen Ereignissen seines Lebens, oft auch in Form von Traumbildern. Aus Thailand, dem ‚Land des Lächelns‘ kommend, setzt er bewusst die Heiterkeit und Leichtlebigkeit in seinen Bildern ein, um Joey_Phetchamroeny_Paradigma2016_webuns ernsthaften Mitteleuropäern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Was so spielerisch leicht erscheint, ist jedoch eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Ereignissen aus seinem Leben. Die symbolische Verschlüsselung der Darstellung erlaubt eine vielfältige Interpretation, so dass jeder Betrachter seine ganz eigenen Schlüsse, die durch die eigenen Erlebnisse bedingt sind, ziehen kann. Das Bild „Vater und Sohn“ zum Beispiel, zeigt die Welt in die ihn sein Vater eingeführt hat, genauso wie die Welt, die er seinem Sohn nahe bringen will, und eine Welt, in der jeder Betrachter eine Menge Anknüpfungs­punkte findet. Aus der Menge des Dargestellten lässt sich das Leben in all seinen vielen Facetten reflektieren. In gewisser Weise ist es eine Meditation aus der Fülle. Der Künstler will uns allerdings auch darauf hinweisen, dass das Leben bunt und reich ist und wir ihm dankbar begegnen sollen im Bewusstsein, dass wir eines Tages alles wieder loslassen müssen. In seinen eigenen Worten: ‚Wir sind ohne etwas auf diese Welt gekommen und so werden wir auch wieder gehen. Solange wir da sind, sollen wir uns am Leben freuen‘.

Dieses ‚Gegengleiche‘ macht diese Ausstellung interessant und ist gleichzeitig ein Aufeinandertreffen zweier unterschiedlicher Kulturen, zwei verschiedene Zugänge mit gleicher Absicht.

Text und Fotos: Antonia Zimmermann

SONNEN-FLECKEN / Elfriede Ruprecht-Porod
BLIND ARTIST IN THE SMELL OF PEACE / Phubessawara ‚Joey‘ Phetchamroen
Kunstverein Paradigma /Landstrasse79/81 Linz
bis 15. April 2016 / Mi-Fr 14-19 Uhr od. Tel. 43 (0)732 603848
kunstverein-paradigma.at / www.ruprechtporod.at

 

 

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