EXPERIMENTELLE KUNST

roland_wegerer_the_hummerbichler_videostill_webFür Roland Wegerer ist es ein Auftrag an die Kunst, gewohnte Wege zu verlassen, eingefahrene Muster aufzubrechen und so zu zeigen, wie etwas sonst auch noch sein könnte. Dabei geht es ihm nicht um den großen Wurf. Eher sind es die kleinen Schritte, die durch konsequente Weiterführung innovative Geistesblitze hervorbringen. Seine experimentelle Kunst umfasst Videos, Fotografie, Collagen, Instagram – Projekte, eine virtuelle off-space Plattform in der Aufbauphase und experimentelle Projekte mit Einbeziehung der Öffentlichkeit.

Experimentelle Kunst
Video „What´s your Name“ von Roland Wegerer

In seinen Videoperfomances beschäftigt sich Roland Wegerer mit der Umsetzung von Bildern jenseits der Sprache. Er verklausuliert  all das, was schwer oder kaum zu sagen ist so, dass es für den Betrachter als Bild sichtbar wird. Dafür denkt er bereits in der Konzeption eines Videos die Interpretationsmöglichkeiten des Betrachters mit. Auch der Aufführungsort wird mitberücksichtigt, da es einen atmosphärischen Unterschied macht, ob ein Video im dunklen Kino auf großer Leinwand gezeigt wird, oder auf einem Display bei Tageslicht. Die Videos haben eine eigene Handschrift, die auf der Tatsche beruht, dass er stottert. Sobald er gelernt hatte, dies nicht als Schwachstelle zu sehen, sondern als sein besonderes Potential, hat er angefangen, damit zu experimentieren. Mit seinen Videos ist er weltweit auf Videoart-Festivals vertreten, aktuell in Buenos Aires, in Mexiko City, in Macau und in Jerusalem. Auch ist er Initiator und Organisator des einzigen österreichischen Videokunstfestivals, dem danube VIDEOART festival , das biennal bisher drei Mal in Grein stattfand.

Generell will Roland Wegerer den Betrachter seiner Werke zum Nachdenken verführen, zur Konfrontation, zur Abkehr von Gewohntem. So auch mit seinen Collagen. Hier steht der  Mensch im Mittelpunkt und mit einem Zusatz wird der Betrachter mit seiner gewohnten Sichtweise konfrontiert. Dabei ist es für Roland Wegerer wichtig, dass der Betrachter sich mit dem Gezeigten ohne Vorkenntnisse in der Kunst beschäftigen kann.

roand-wegerer-22_groessenveraenderung_webDa ein großer Teil seiner Arbeiten digitalen Ursprungs sind, nützt er auch verschiedene digitale Plattformen. So zum Beispiel in seinem Instagram – Projekt „white_box_open_space“. Wöchentlich produziert er ein Bild, das den Betrachter mit ungewöhnlichen Größenverhältnissen konfrontiert. Der Frage „wie macht er das, aus welchen Materialen sind die Objekte?“ kann man dabei kaum ausweichen. Anfragen kommen aus aller Welt. Die Bilder sind keine Fotomontagen, sondern mit Phantasie und handwerklichem Geschick gebaute Objekte, die immer von zwei Seiten fotografiert werden, um dies auch zu beweisen. Veröffentlicht werden die Bilder ausschließlich auf Instagramm, so baut sich mit der Zeit ein digitaler Katalog auf und kann gleichzeitig auf unkomplizierte Weise weltweit gesehen werden – eine zeitgemäße Form der globalen Verbreitung seiner Kunst.

Um sich nicht in der digitalen Welt zu verlieren, gibt es auch interaktive analoge Projekte, wie zum Beispiel „Experimentelles Wandern“. Roland Wegerer nimmt hier einen allgemeinen Trend zum Anlass, einen Bewusstseinsprozess  in Gang zu setzen. In einer geführten Wanderung bringt er durch das Abweichen von eingefahrenen Pfaden und mit ungewöhnlichen Aktionen Menschen dazu, ihre gewohnte Umgebung neu wahrzunehmen, den Blick zu schärfen, die Aufmerksamkeit zu fördern. Würde man eine solche Wanderung alleine machen, käme man in den Verdacht, verrückt zu sein. Als Kunstprojekt, gemeinsam mit anderen Menschen, ist eine lustvolle Erfahrung, die gleichzeitig eine Horizont- und Erfahrungserweiterung ist. Auch in seinen Interaktionen mit  Kommunen und in Unternehmen geht es immer um „andere Wege gehen“. Als Künstler stellt er oft die ungewöhnlichsten Fragen aus seinem Querdenken heraus und fordert zum Nutzen der möglichen Ressourcen heraus, anstatt sich in der Unfinanzierbarkeit zu verlieren. Die Kreativität eines Künstlers ist eben eine andere als die Kreativität eines Nichtkünstlers. Vernetzung von Gleichgesinnten ist dabei zentrales Thema.

Vernetzung spielt auch in seinem eben gestarteten Projekt „virtueller off-space“ eine zentrale Rolle. Da dies ein Raum für Experimente ist, werden spartenübergreifend Künstler eingeladen, zu einem vorgegebenen Thema Arbeiten auf eine Webseite hochzuladen, das kann Musik, Videos, Texte, Fotografie,  … sein, eben alles, was sich digital präsentieren lässt. So entsteht eine Präsentations­plattform, die eine größere Reichweite hat als eine herkömmliche Ausstellung.

Text: Antonia Zimmermann

Artist Homepage: www.rolandwegerer.com
Artist Blog: https://rolandwegerer.wordpress.com/
Instagram Account „White_Box_Open_Space“:
https://www.instagram.com/white_box_open_space/
Videos: https://vimeo.com/rolandwegerer

 

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