EIN ABSCHIED

ehemalige Anton Bruckner Provatuni / Ungerochen Klaglos / Margit Greinoecker Konservatorien / Roland Wegerer PasseEin letztes Mal öffnet die ehemalige Anton Bruckner Privatuniversität ihre Türen, bevor sie abgerissen wird. Die Ausstellung UNGEROCHEN, KLAGLOS lässt noch einmal die Kreativität einziehen, die dieses Gebäude seit den 1970iger-Jahren beherbergt hat. 7 Absolventen / Studenten der Kunstuniversität Linz nahmen die Herausforderung an, ein würdiges Finale zu gestalten und den Abschied einzuleiten. Der Titel der Ausstellung ist ein Zitat aus Franz Grillparzers Theaterstück Das goldene Vlies, das Heimatlosigkeit, Ortlosigkeit, Flucht und Gewalt zum Thema hat. (Ungerochen meint hier ungerächt.) Zeitgleich zur Kunstausstellung finden auch einige Aufführungen dieses Theaterstücks durch das Landestheater Linz statt.

Im ehemaligen Tanzsaal stellt Roland Wegerer mit seiner roten Figur PASSÉ noch einmal Bezug zum einstigen Geschehen in diesem Saal her. PASSÉ ist eine Standardfigur im Ballett und bedeutet gleichzeitig im Französischen vorbei. Die Figur ist aus vor Ort gefundenem Holz zusammengebaut. Auf  Zehenspitzen findet hier der Letzte Tanz statt.

Im gleichen Saal zeigt Margit Greinöcker ihre Installation KONSERVATORIEN. Über 40 Jahre lang hat dieser Bau, komponiert von Karl Heinz Hattinger, den Studierenden Raum geboten, und soll jetzt wegerissen werden. Die Teile der Installation wurden dem Gebäude schon einmal vorweg entrissen, in Betonsockel eingebettet und somit vor dem Vergessen gerettet. Es ist eine architektonisch – archäologische Studie der Materialen der 1970iger Jahre: Kork, Aluminium, Bronzegriffe, eine Tanzstange, Vorhangstangen, Akustikmaterial von der Decke, Spiegel, Pressspanplatten mit Furnier, Gipsreliefs von Kunst am Bau Projekten, Plexiglasscheiben, Türschilder, … Das wird wohl bald alles sein, dass von diesem Gebäude übrig bleibt – ein wertvolles Archiv.

Der übeAlte-Bruckneruni_Ungerochen-Klaglos-6_Katharina-Anna-Loidl_Luminare-Arcadia_webrdimensionale Luster aus 4000 Rasierklingen ist von Katharina Anna Loidl.Sie nennt diese Installation LUMINARE ARCADIA (DE RE PUBLICA) und symbolisiert damit  die Vergänglichkeit von Macht und Reichtum, wie das Schwert des Damokles. Die beidseitig scharfen Klingen weisen in diesem Fall auch auf die Zweischneidigkeit von Abriss oder Umbau hin.

Alte-Bruckneruni_Ungerochen-Klaglos-4_Rainer-Noebauer-Kammerer_Kartenhaus_webRainer Nöbauer-Kammerer baut aus den schweren schalldichten Türen ein überdimensionales Kartenhaus, scheinbar stabil und doch labil. Zusätzlich zeigen drei gerahmte Bilder aus originalen Parkettstücken, wie dekorativ Alltägliches sein kann.

Alte-Bruckneruni_Ungerochen-Klaglos-5_Georg-Schuchlenz_webGeorg Schuchlenz stellt mit seiner Installation in der ehemaligen Garderobe eine Verbindung zur bereits abgerissenen alten Eisenbahnbrücke her. Er zeigt ein Stück Gleisbett, das nun ebenso nutzlos ist, wie der Ort, in dem es sich jetzt ausgestellt ist. Er will damit die politische Entscheidung gegen eine Restaurierung in Frage stellen.

Alte-Bruckneruni_Ungerochen-Klaglos-8_Oktavia-Schreiner_Noch-ein-Mal_webOktavia Schreiner bezieht sich bei ihrem Objekt NOCH EIN MAL auf die Säulenelemente im Foyer, die als tragende Elemente wichtig  und bald nutzlos sind. Der Aufbau ihres Holzobjektes gibt den Blick auf die Konstruktion frei und zeigt auf, wie die Stabilität und Tragkraft gewährleistet wurde. Noch ist ein Rest von Glanz übrig, in Form einer ovalen Keramik, bemalt mit Engobe und glasiert. So ist das Objekt Bühne und Zuschauerraum zugleich.

Alte-Bruckneruni_Ungerochen-Klaglos-7_Colin-Linde_one-last-dance_webColin Linde wandelt Bodenteile in seiner raumgreifenden Installation ONE LAST DANCE nun in Tänzer um. Aus vor Ort gefundenen Schutt-und Holzresten erschuf er zwei Tanzer, die gemeinsam einen letzten Tanz wagen. Die Bodenteile, auf denen früher getanzt wurde, werden jetzt selbst zu Tänzern.

                                                                                                                                   Text und Fotos: Antonia Zimmermann

UNGEROCHEN, KLAGLOS
Ortbezogene Kunst in der
Ehemaligen Bruckner Universität
Wildbergstraße 18 / Linz
Bis 31. März 2017 / Di – Sa 16 – 18 Uhr

 

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