die.puntigam

die.puntigam / im-Dunkeln / MUTE Aktionsraum-LinkZ 201705 die.puntigam alias Dieter Puntigam zeigt seine beeindruckende Werkschau im Aktionsraum LinkZ in Linz. Ein langer Schriftverkehr ging der Ausstellung voran. Brigitte Swoboda hat die Ausstellung kuratiert und beschreibt im folgenden Text nicht nur die Werke, sondern auch wie die Kontaktaufnahme zwischen Künstler und Galerie von statten ging:

 

DIE KUNST IST EIN SPIEL
 Alles begann mit einem kunstvoll gestalteten Brief, den der Künstler die.puntigam den Sammlern und Initiatoren des AKTIONSRAUM LINkZ, Karin und Johann Brandstetter, geschickt hat. Daraus entstand ein sehr persönlicher Briefverkehr, der in den letzten zwei Jahren zu 28 Briefkonvoluten herangewachsen ist. Handschriftliche oder collagierte Briefe dokumentieren Ausstellungsprojekte und die Gedankenwelt des Künstlers. Diesen Briefen waren grafische Arbeiten beigelegt, eine Auswahl der insgesamt ca. 600 Arbeiten bildet das Entree zur Ausstellung. Wir stoßen dabei auf Fabeln, Comics, Erzählungen, Gedichte, Film-, oder Traumsequenzen – alles gut durchgemischt: zum Teil doppelseitige Papierarbeiten mit Bleistift, Buntstift, Tusche oder Collagen, Papierschnitte, collagierte Postkarten, gebastelte oder bemalte Kuverts und Grafikmappen, durchkomponierte Hefte („Fehlerhefte“), Fotografien, alles ineinandergesteckt, miteinander verflochten, eng verschnürt oder verklebt (!) – wodurch das Öffnen eines Pakets zu einer eigenen Erfahrung wird, die sich manchmal nicht wiederholen lässt.

aktionsraum-linkz-die.puntigam_SkizzenIt’s not about me. It’s about you, standing in front of it, questioning yourself
Man muss die.puntigams Arbeiten drehen und wenden, manchmal auch zerlegen wie ein umgekehrtes Puzzle. Diese direkte Erfahrung mit seinen Kunstwerken lässt den Betrachter die Berührungsangst vor Kunst verlieren. Der gebürtige Grazer studierte 1996 bis 2002 bei Rolf Kuhrt an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchdruck. Aus dem Hype um die „Neue Leipziger Schule“ ging die.puntigam vor allem mit Holzschnitt, Radierung und Lithografie hervor. Seinen Zugang zur Kunst beschreibt er als kindlich fordernden. Er zeichnet, malt, formt, bastelt und denkt mit einem „neugierigen Blick in die Welt“ Geschichten aus. Und doch wird diese Leichtigkeit durch sehr ernste Motive durchbrochen. Ein Arbeiter, der von einer Mischmaschine ausgespien wird, Schatten-Settings wie nach einem Atomunfall oder eine unendliche Einsamkeit prägen seine Menschenporträts.

 

When I am lonely, I press play
Inspiriert durch die Musik von David Bowie und Frank Zappa oder durch Science Fiction Autoren wie Gene Roddenberry oder William Gibson wirken auch die.puntigams Arbeiten aus der Zeit gerückt. Selbst bei Fabriksszenen weiß man nicht genau, ob diese zur Jahrhundertwende des 20. Jahrhunderts oder in der Factory 4.0 der Zukunft angesiedelt sind.

 

aktionsraum-linkz-die.puntigam_muteMute – Nachricht von den Gemälden
„ … wie auch Dunkelheit nicht das Gegenteil von Licht ist, sondern die Abwesenheit von Licht“
Hauptsujet der gleichnamigen Ausstellung bildet der gemalte Zyklus „mute“ (vgl. Stummtaste der Stereoanlage). Bei die.puntigam steht mute vor allem für die Sprachlosigkeit. Es geht also um eine Nachricht von den Gemälden – um die Bildsprache, die keine Erklärung benötigt: überdetaillierte Fantasien und Traumsequenzen, Kunstmärchen oder im Kontrast dazu psychedelische Form-Überlagerungen oder Frauenporträts. Frauen sind die Quelle, die aus sich selbst entspringt. Aus diesem Selbstverständnis werden Sie in allen Bereichen der Ausstellung viele Motive finden.

Zwischen süßer Begierde und zeitlosen Momentaufnahmen wandelt der Ausstellungsbesucher bei der Betrachtung der Holz- und Lederschnitte („sweet“, „desire“, „moment“ und „time“) und der fein gravierten Kupferteller. Kupfer gehört neben Gold zu den zwei Metallen, die in der Natur in reiner Form vorkommen. Es ist das erste bearbeitete Material der Menschheit. Heute noch steht das Venussymbol für das Element Kupfer, denn auf der Insel, von der es gewonnen wurde, nämlich Zypern, wurde vor allem Aphrodite bzw. ihr römisches Pendant Venus verehrt. Die Venus, die Göttin der Liebe, der Schönheit und des Verlangens (desire), aber auch der Sexualität. Die.puntigam schafft mit seinen Holzschnitten Unikate, die mit der Bildwelt seiner Malereien vernetzt bleiben.

aktionsraum-linkz-die.puntigam_cell-cityCell City – a Test of Nerves
Zwei Monate lang hat sich die.puntigam im ehemaligen Kriegsgefangenenlager Krems-Gneixendorf eingeschlossen. Ohne Kontakt zur Außenwelt sind in dieser Zeit vor allem Cartoons um das sich wiederholende Thema der Ich-Maschine (auch I-machine) entstanden im starken Kontrast zur Freiheit des Künstlers.

Der ausgestellte 2016 entstandene Zyklus „Bilder vom Rand der Welt“ (Tusche, Gouache auf Leinwand, 40 x 40 cm) beschäftigt sich mit dem Perspektivwechsel. Vom Rand der Welt aus hat man einen anderen Blick auf Lebensgeschichten. Sie finden darin auch Kritik am Arbeitssystem.

Ergänzt werden die aktuellen Zyklen mit der erstmals 2009 in Amsterdam präsentierten Installation „Cell City“. Aus einem Containerdorf in einer ehemaligen Werfthalle heraus entstand der Nachbau einer fiktiven Stadt mit Miniatur-Papierarbeiten, eine Ode an David Bowies „Life on Mars“.

Text: Brigitte Swoboda / Aktionsraum LinkZ

Einladung_Ausstellung_diePuntigam_Mute_Aktionsraum-Linz
MUTE / die. puntigam
Aktionsraum LINkZ Hauptstr. 26 4040
bis 30. Juni 2017 / Di – Do 10- 13 Uhr od. Tel. 0732 710 531
www.aktionsraum-linkz.at
www.diepuntigam.at
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